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Entwässerungsbetrieb stellt Konzept für Energiepark vor

Anlagenbesichtigungen geben Einblick in den Projektfortschritt

Im Rahmen eines heutigen Pressegesprächs stellte Andreas Reinhardt, Betriebsleiter des Entwässerungsbetriebes Lutherstadt Wittenberg und Geschäftsführer der Stadtwerke Lutherstadt Wittenberg gemeinsam mit Bürgermeister André Seidig das Konzept für den geplanten Energiepark auf dem Gelände der Wittenberger Kläranlage vor. 

Mit dem vorgestellten Konzept soll ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden, bei dem verschiedene bauliche Maßnahmen, maßgeblich bestehend aus vier Bausteinen, ineinandergreifen und gemeinsam die Grundlage für einen unter anderem noch effizienteren Betrieb der Kläranlage bilden. 

Die vier Bausteine bestehen zum einen aus dem Bau eines zweiten Faulturms zur Klärgasverwendung sowie zum anderen aus der Nutzung von erneuerbar erzeugtem Strom aus einer neu errichteten PV-Freiflächenanlage. Zusätzlich soll eine noch in der Planung befindliche Wärmepumpe zum Einsatz kommen, mit der die Nutzung von Wärme aus dem geklärten Abwasser des Vorfluters erfolgen wird. „Um diese energetischen Potentiale aus Erneuerbaren Energien nicht nur für die Kläranlage, sondern daraus entstehende überschüssige Energie auch für die Strom- und Wärmeversorgung der Stadt Wittenberg nutzen zu können, ist als vierte Maßnahme perspektivisch die Anbindung an das Fernwärmenetz sowie die Verstärkung des Stromnetzes der Stadtwerke in der Nähe der Kläranlage vorgesehen“, erläutert Reinhardt im Gespräch. „Das ist zudem Inhalt unseres Transformationsplans bei den Stadtwerken.“ 

Zweiter Faulturm bereits im Bau und PV-Anlage kurz vor Inbetriebnahme

Dass sich zwei dieser Maßnahmen bereits in fortgeschrittenen Status befinden, davon konnten sich die Teilnehmenden bei einer Besichtigung der Anlagen vor Ort überzeugen. 

Im Juni 2026 wurde mit der Errichtung eines zweiten Klärschlammfaulbehälters begonnen. Der seit 2012 bereits in Betrieb befindliche erste Faulturm ist aufgrund von gestiegener Zulaufbelastung bei der Kläranlage an seine Kapazitäts- und damit Effizienzgrenze gestoßen. „Durch die Erweiterung wird es möglich sein, nach der Klärgasgewinnung noch deutlich mehr regenerative Wärme in den vorhandenen Blockheizkraftmodulen zu erzeugen. Damit vermeiden wir zukünftig zusätzlichen Wärmebedarf aus externen Bezugsquellen und es können rund 672 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Die Baufertigstellung ist für November 2027 geplant“, erklärt Carsten Buder, technischer Abteilungsleiter im Entwässerungsbetrieb. Die hierfür erforderlichen 2,9 Millionen Euro werden zu 50 Prozent durch den Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.   

Auch bei der Stromversorgung setzt der Entwässerungsbetrieb auf die Erzeugung durch Erneuerbare Energien. Hierzu wurde auf dem Gelände des Entwässerungsbetriebes seitens der Stadtwerke Wittenberg gegen Entgelt eine Fläche gepachtet und eine PV-Freiflächenanlage in einer Größe von 5.100 m2 errichtet. 1.638 Module, die für den Schutz vor Hochwasser auf einer hochgeständerten Stahlkonstruktion montiert wurden, werden in den kommenden Wochen in Betrieb genommen und dann eine Leistung von bis zu 900 kW Strom für die Kläranlage erzeugen. Der nicht für den Eigenbedarf erforderliche Strom soll zukünftig in das Netz der Stadtwerke eingespeist werden. 

„Mit diesem Gesamtkonzept wird noch einmal sehr deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel aller Akteure ist. Das Klimaschutzkonzept und der kommunale Wärmeplan der Stadt stehen in unmittelbarer Verzahnung mit den energetischen Maßnahmen des Entwässerungsbetriebes und dem Transformationsplan der Stadtwerke. Nur wenn diese Themen gesamtheitlich gedacht und in klugen Konzepten umgesetzt werden, können wir den Weg zu klimafreundlicherer, weiterhin versorgungssicherer und vor allem auch bezahlbarer Energie- und Wärmeversorgung bewältigen“, erklärt Bürgermeister André Seidig. 

Dabei bekräftigt Andreas Reinhardt, dass die vorgestellten Maßnahmen und damit verbundenen Investitionen neben den allgemeinen Kostenentwicklungen für Material, Dienstleistungen und Personal, lediglich einen geringfügigen Einfluss auf die Entwicklung der Abwassergebühren für die Gebührenperiode 2027-28 haben und perspektivisch vor allem stabilisierend auf das Gebührenniveau einwirken. Die Gebührenkalkulation wurde bereits am 23.09.2026 durch den Stadtrat beschlossen. Die entsprechenden Änderungen der Satzungen sind für die Stadtratsitzung am 16.12.2026 geplant.

Ab dem kommenden Jahr werden die Gebühren für die Ableitung und Behandlung zentralen Schmutzwassers moderat auf 4,92 Euro/m³ angehoben. Dies entspricht einem Anstieg von 1,75 € pro Monat in einem durchschnittlichen 3-4 Personen Haushalt. 

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