Die Historie des Entwässerungsbetriebs Lutherstadt Wittenberg
Die Abwasserentsorgung in Wittenberg hat sich über Jahrhunderte verändert: von offenen Bachläufen und „Schwemmkanalisation“ bis zur modernen Gemeinschaftskläranlage. Diese Zeitreise zeigt die wichtigsten Meilensteine von den frühen Anfängen bis zur heutigen modernen Infrastruktur mit insgesamt fünf Kläranlagen und einem Kanalnetz von etwa 380 Kilometern.
Von der Schwemmkanalisation zur Wendezeit
Über Jahrhunderte wurde die Entwässerung Wittenbergs vor allem über Bachläufe und später über Mischkanalisation organisiert. Abwasser gelangte dabei an vielen Stellen direkt oder nach einfacher Vorreinigung in die Elbe bzw. in städtische Gewässer. Mit Stadtwachstum und Industrie nahm die Belastung deutlich zu. Spätestens in den 1980er Jahren wurde klar, dass eine zentrale Abwasserreinigung notwendig ist. Anfang der 1990er markiert dann den Wendepunkt: Der Aufbau moderner Infrastruktur und die spätere Gründung des Entwässerungsbetriebs Lutherstadt Wittenberg wurden vorbereitet.
Unsere 90er - Neuanfang und Bau der Gemeinschaftskläranlage
Die 1990er stehen im Zeichen des Wandels: Förderentscheidungen, Aufbau des Hauptsammlersystems, Gründung des Eigenbetriebs und Inbetriebnahme der Gemeinschaftskläranlage.
- 1990: Der Bundestag beschließt die Förderung des Pilotvorhabens “Gemeinschaftskläranlage Wittenberg”.
- 1991: Baubeginn des Hauptsammlers mit rund 20 km Länge zur Verbindung der bestehenden Kanalnetze in den Stadtteilen.
- 1992: Gründung des Entwässerungsbetriebs durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung. Mit der Grundsteinlegung in Piesteritz werden die Bauarbeiten an der Kläranlage offiziell wieder aufgenommen. Aufgrund veränderter Rahmenbedingungen wird die Planung angepasst, unter anderem mit weniger Belebungsbecken.
- 1994: Start des Probelaufs der Gemeinschaftskläranlage.
- 1995: Feierliche Inbetriebnahme der Kläranlage. Mit den letzten Umschlussarbeiten endet die jahrzehntelange direkte Einleitung ungeklärter kommunaler und industrieller Abwässer in die Elbe im Gebiet der Lutherstadt Wittenberg.
- 1996: Übergabe der kaufmännischen Betriebsführung an die Stadtwerke Lutherstadt Wittenberg.
- 1997: Der Entwässerungsbetrieb übernimmt die Abwasserbeseitigungspflicht für Reinsdorf, Dobien und Braunsdorf und führt laufende Kanalbaumaßnahmen nahtlos fort.
- 1998: Abwasser aus Euper/Abtsdorf wird über eine Druckleitung nach Wittenberg eingeleitet. Weitere Gemeinden werden über eine Druckleitung angebunden und der Entwässerungsbetrieb übernimmt die technische Betriebsführung der Anlagen in Euper/Abtsdorf.
Unsere 2000er - Ausbau, Optimierung und Hochwasserschutz
In den 2000ern stehen Kanalbau, Prozessoptimierung und neue Satzungen im Fokus sowie Hochwasserereignisse und organisatorische Weichenstellungen.
- 2000: Abschluss eines Cross-Border-Leasing-Vertrags mit US-amerikanischen Investor.
- 2001: Wichtige Kanalbaumaßnahmen in der Innenstadt werden umgesetzt - nach fast 500 Jahren wird der Rischebach nicht mehr zur Ableitung der Abwässer der Stadt genutzt.
- 2002: Neue Abwassersatzungen treten in Kraft. Das Hochwasser prägt den Betrieb, elbnahe Anlagen werden geschützt.
- 2004: Die Gemeinde Nudersdorf überträgt die Technische Betriebsführung dem Entwässerungsbetrieb.
- 2005: Nudersdorf und Schmilkendorf werden neue Stadtteile. Abwassergebühren werden erneut gesenkt, Investitionen in Kanalbau und Kläranlage laufen weiter.
- 2006: Start der abwassertechnischen Erschließung in Nudersdorf. In der Innenstadt beginnen Arbeiten zur Offenlegung des Trajuhnschen Baches.
- 2007: Modernisierung der Kläranlage, unter anderem mit neuem Leitsystem. Am Pumpwerk Elbtor erfolgen Umbauten, die Rechenanlage wird erweitert.
- 2008: Beginn der Erschließung in Schmilkendorf, Griebo wird neuer Stadtteil. Zuständigkeiten und Maßnahmen rund um Regenwasser werden erweitert.
- 2009: Abtsdorf und Mochau werden neue Stadtteile. Planung und Start des Baus der Klärschlammfaulung, Abschluss der Offenlegung der Innenstadtbäche. Beginn des Baus einer Hochwasserschutzwand am Pumpwerk Elbtor.
Unsere 2010er - Neue Ortsteile & neue Aufgaben
In den 2010ern erweitert sich das Zuständigkeitsgebiet, die Schlammfaulung wird aufgebaut, Netze werden saniert und zusätzliche Aufgaben (Gewässer) kommen hinzu
- 2010: Die Orte Straach, Boßdorf und Kropstädt werden neue Stadtteile der Lutherstadt Wittenberg. Mit Ausnahme der Ortschaft Kropstädt begann die Zuständigkeit für die Regenwasserentsorgung. Start des Baus der Klärschlammfaulung.
- 2011: Inbetriebnahme der Klärschlammfaulung zur Energiegewinnung und zur Reduzierung der Klärschlammmenge.
- 2012: Nach Auflösung des Abwasserzweckverbandes Kropstädt zum 30.06.2012 , übernimmt der Entwässerungsbetrieb den Betrieb und die Unterhaltung der Abwasseranlagen im Ortsteil Kropstädt.
- 2013: Mit der Auflösung des AZV– Südfläming zum 31.12.2012 wurde dem Entwässerungsbetrieb der Lutherstadt Wittenberg ab dem 01.01.2013 auch die Verantwortung der Schmutzwasserentsorgung der Ortsteile Straach, Boßdorf, Assau, Berkau, Kerzendorf, Grabo, Weddin, Mochau und Tießen übertragen.
- 2014: Mit der Fertigstellung des Schmutzwasserhauptsammlers Nudersdorf, Belziger Landstraße, ist der Ortsteil Nudersdorf abwassertechnisch komplett erschlossen. Die Anfang 2014 realisierte Neuanschaffung eines Saug-Spül-Fahrzeuges erhöht die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter des Kanalnetzes wesentlich.
- 2015: Neue Aufgaben im Bereich “Gewässer” durch eine Dienstanweisung. Der Anschlussgrad der Abwassererzeuger im Entsorgungsgebiet der Lutherstadt Wittenberg am zentralen Abwassernetz des Entwässerungsbetriebes liegt nach Abschluss wichtiger Erschließungen bei über 96 Prozent.
- 2016: Start einer Sanierungskonzeption für das Abwassernetz und weitere technische Modernisierungen - unter anderem eine neue Anlage zur Überschussschlammeindickung wurde aufgebaut und in Betrieb genommen.
- 2017: Reformationsjubiläum mit zusätzlichen Anforderungen an Infrastruktur und Betrieb, parallel laufen Investitionen weiter. Das Rückhaltebecken in Kropstädt ist fertiggestellt worden. Für die neu errichtete Wittenberger Bäckerei wurde mit ein Pumpwerk nebst zugehöriger Druckleitung errichtet und in Betrieb genommen.
- 2018: Entsprechend der Dienstanweisung Gewässer ist der Entwässerungsbetrieb Lutherstadt Wittenberg auch für die bautechnische Umsetzung von Baumaßnahmen an Gewässern II. Ordnung sowie an allen natürlichen und künstlichen Teichen als auch Feuerlöschteichen verantwortlich. Im Jahr 2018 konnte dabei mit der Errichtung des Retentionsraumes, Reinsdorfer Nordstraße, am Wasserlauf des Rischebach, ein von der Landesanstalt für Altlastenfreistellung des Landes Sachsen-Anhalt gefördertes Vorhaben mit einer Investitionssumme von weit über 1 Million €, realisiert werden. Alle unterhalb des Bauwerkes liegenden Wohngebiete erhalten dadurch einen wesentlich höheren Überflutungsschutz.
- 2019: Modernisierung der Technik im Betrieb, unter anderem durch neues Saug-Spülfahrzeug und Maßnahmen an Pumpwerken.
Unsere 2020er - Das wichtigste aus der Gegenwart
Die 2020er Jahre sind geprägt von Modernisierung, Energieeffizienz und natürlich unserem 30-jährigen Jubiläum.
- 2020: Nachdem die Abwassergebühren für die zentrale Einleitung in der Vergangenheit fünfmal in Folge gesenkt werden konnten, erfolgte am 01. Janaur 2020 eine erneute Senkung. "Möglich war das, da zusätzliche Mengensteigerungen die Betriebskosten von Kläranlage und Kanalsystem gesenkt werden konnte. Hinzu kommt die vorzeitige Beendigung des Cross-Border-Leasings. Im Juni 2020 wurde das umfassenden US-Lease Geschäftes für das vom Entwässerungsbetrieb Lutherstadt Wittenberg betriebene Abwassersystem beendet.
- 2021: Im September 2021 wurde ein zweites Blockheizkraftwerk als energieeffizienzsteigernde Maßnahmen für die Piesteritzer Kläranlage in Betrieb genommen. Beide BHKWs zusammen werden zukünftig den Eigenstrombedarf des Unternehmens zu ca. 60 % decken können.
- 2022: Es ist nun bereits 30 Jahre her, dass mit einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zum 01.01.1992 die Gründung des Entwässerungsbetriebes Lutherstadt Wittenberg erfolgte. „Mein besonderer Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Entwässerungsbetriebes dafür, dass sich unsere Bürger bereits seit drei Jahrzehnten darauf verlassen können, dass Abwasserentsorgung und -reinigung sowie die Einhaltung des Gewässerschutzes unabhängig von der Situation, stets zuverlässig und problemlos erfolgen“, gratuliert Oberbürgermeister Torsten Zugehör zum 30-jährigen Betriebsjubiläum.
- 2023: Der Entwässerungsbetrieb nimmt erstmalig am Kinderferienpass teil und öffnet damit für einen Tag seine Türen für Ferienkinder.
- 2024: Für die Mitarbeitenden des Entwässerungsbetriebes wird im Rahmen eines konzernweiten Projektes der Stadtwerke Gruppe ein umfangreiches betriebliches Gesundheitsmanagement umgesetzt.
- 2025: Der Stadtrat beschließt am 18. Dezember 2024 eine Änderung der Abwassersatzung inklusive Anpassung der zentralen und dezentralen Gebühren. Damit steigen die Abwassergebühren zum 1. Januar 2025 erstmals seit 2010 – vor dem Hintergrund deutlich gestiegener Kosten (u. a. Fremdleistungen, Energie, Personal) und notwendiger Investitionen in die Modernisierung der Abwasserinfrastruktur.
- 2026: Am 26.04. haben Sie die Möglichkeit uns beim Tag der offenen Tür kennenzulernen! Mehr Infos finden Sie hier.