Holger Wenski
Kläranlage Wittenberg
Zentrale Abwasserreinigung für Bürgerinnen und Bürger, Gewerbe sowie Industrie
Die Kläranlage Wittenberg ist die größte Anlage im Zuständigkeitsbereich des Entwässerungsbetriebs Lutherstadt Wittenberg. Hier wird Abwasser zuverlässig gereinigt, bevor es in den natürlichen Wasserkreislauf der Elbe zurückkehrt. Auf dieser Seite geben wir einen Überblick über die wichtigsten Prozesse, Qualitätskontrollen und Besonderheiten der Anlage.
Die Aufgaben der Kläranlage Wittenberg
Die Aufgabe der Kläranlage ist die vollbiologische Reinigung des im Stadtgebiet sowie in den umliegenden Gemeinden des Abwasserzweckverbandes Elbaue Heiderand und des Abwasserzweckverbandes Südfläming anfallenden Abwassers. Die Anlage arbeitet rund um die Uhr und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Gewässern und Umwelt.
In der Gemeinschaftskläranlage wird auch das Abwasser aus Gewerbe- und Industriebetrieben behandelt. Das Abwasser durchläuft dabei die mechanische und biologische Reinigungsstufe und wird bei Bedarf durch eine chemische Stufe ergänzt, um die Ablaufqualität abzusichern. Nach dem Reinigungsprozess wird das gereinigte Wasser kontrolliert und anschließend in die Elbe eingeleitet.
So wird das Wittenberger Abwasser gereinigt
Vom Zulauf bis zur Elbe
Mechanische Reinigung
In der mechanischen Stufe wird das ankommende Abwasser zunächst im Rechengebäude erfasst und online überwacht. Rechenanlagen entfernen Grobstoffe, anschließend werden im Sandfang mineralische Bestandteile wie Sand und Kies abgetrennt. Eine vorgeschaltete Vorklärung sorgt zusätzlich dafür, dass sich weitere Feststoffe absetzen und Schwimmstoffe entfernt werden - so werden die folgenden Reinigungsstufen wirksam entlastet.
Biologische Reinigung
In der biologischen Stufe bauen Mikroorganismen gelöste Stoffe ab. Dazu wird das Abwasser in Belebungsbecken geführt, in denen belüftete und unbelüftete Phasen gezielt gesteuert werden. Danach folgt die Nachklärung: Hier werden Wasser und Belebtschlamm getrennt, ein Teil des Schlamms wird als Rücklaufschlamm in den Prozess zurückgeführt, der Überschuss wird zur Schlammbehandlung weitergeleitet. So bleibt der biologische Prozess im Gleichgewicht und die Reinigungsleistung stabil.
Chemische Reinigung (nur bei Bedarf)
Je nach Belastung und Anforderungen kann die biologische Reinigung durch eine chemische Stufe unterstützt werden – zum Beispiel zur gezielten Phosphorelimination. Der Einsatz erfolgt kontrolliert und wird in die Prozessführung eingebunden, um die Ablaufqualität zuverlässig abzusichern.
Ablauf & Kontrolle
Bevor das gereinigte Wasser in die Elbe eingeleitet wird, erfolgt am Ablauf die Mengenmessung und die Qualitätskontrolle. An der Probenahmestelle werden regelmäßig Proben entnommen und ausgewertet - zur Eigenüberwachung und für behördliche Prüfungen. So ist die Reinigungsleistung nachvollziehbar dokumentiert und der Betrieb dauerhaft abgesichert.
Klärschlamm verwerten – Energie gewinnen
Faulturm, Biogas und Blockheizkraftwerke
Bei der Abwasserreinigung entsteht Klärschlamm. In der Kläranlage Wittenberg wird dieser Schlamm weiterbehandelt und dabei entsteht Biogas zur Energiegewinnung. Und so funktioniert es:
Damit der Reinigungsprozess stabil bleibt, wird überschüssiger belebter Schlamm dem Verfahren entnommen und der Schlammbehandlung zugeführt. Nach einer ersten Entwässerung (z. B. durch Kammerfilterpressen) wird der Schlamm aus dem Voreindicker auf dem Weg zum Faulturm durch einen Wärmetauscher geleitet und dabei auf die erforderlichen 38 bis 40 °C erwärmt – dabei entsteht Biogas (Methan).
Das gewonnene Biogas wird über Filter und Kondensatabscheider aufbereitet und anschließend im Blockheizkraftwerk (BHKW) genutzt: Ein Gasmotor treibt einen Generator zur Stromerzeugung an, die dabei entstehende Wärme wird unter anderem genutzt, um den Faulturm auf Temperatur zu halten und teilweise weitere Gebäude zu beheizen. Mit zwei BHKW (jeweils 180 kW elektrisch) decken wir einen Teil des Energiebedarfs im Betrieb selbst ab. Gleichzeitig reduziert die Faulung die Klärschlammmenge – dadurch sinken Entsorgungsaufwand und Transporte, was Umwelt und Klima zusätzlich entlastet.